Die Landungsstrände in der Normandie – Geschichte hautnah


Geschichte ist ein langweiliges Schulfach und nicht jedermanns Sache. Doch wenn Geschichte plötzlich so real und so nah ist, dann ist es etwas anderes. Als wir durch die Normandie fahren, entscheiden wir spontan einen Abstecher zum Omaha Beach zu machen. Der Himmel ist blau und die Sonne strahlt vom Himmel. Gedenktafeln, Denkmäler und Museen erinnern hier heute an den Tag, der das Ende des Zweiten Weltkriegs einläuten sollte. Denn hier landeten 1944 die Alliierten. Wolken ziehen auf und ich bekomme Gänsehaut. Geschichtsnachhilfe gefällig?

Omaha Beach in der Normandie

Was versteht man unter "D-Day"?

Allgemein bezeichnet der Begriff "D-Day" im Englischen den Beginn einer militärischen Operation. Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet man solche Stichtage gerne als "Tag X". Viele verbinden diesen Begriff mittlerweile aber mit der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944.

Was ist 1944 in der Normandie passiert?

Am 6. Juni 1944 steuert die größte Invasionsflotte aller Zeiten auf die französische Küste zu. 175.000 Soldaten aus Amerika, England und Kanada wurden geschickt, um Europa zu befreien. Als sie in ihren Schiffen sitzen wissen sie noch nicht, dass dieser Tag als "längster Tag" in die Geschichtsbücher eingehen und viele von ihnen bereits die ersten Minuten nicht überleben werden.

Landung am Omaha Beach

Um halb sieben Uhr morgens treffen die ersten Alliierten in Omaha Beach ein. Dieser Strand ist einer von fünf Stränden der Normandie, die angegriffen werden sollen. Dieser Strandabschnitt liegt zentral, aber gilt gleichzeitig auch als unzugänglichster Abschnitt. 40.000 Soldaten sollen in mehreren Wellen hier angreifen. Utah Beach und Strände mit den Codenamen Gold, Juno und Sword gelten als weitere Ziele der Truppen.

 

Doch die Deutschen sind vorbereitet und hat diesen Küstenabschnitt zu einem Teil des sogenannten Atlantikwalls gemacht. Zersägte Eisenbahnschienen im seichten Gewässer sollen die Landungsboote der Alliierten aufreißen. Am Strand befinden sich ebenfalls Hindernisse, Mienen und Stacheldraht. In und auf den Felsen warten Maschinengewehre, Schützengräben, gut getarnte Bunker und Verteidigungsanlagen. 

Der Plan der US-Offiziere ist daher, diese Stellungen bereits abzuschießen, bevor die Soldaten an Land gehen. Sie werfen Bomben ab und verschießen Granaten.

 

Die Rampe der ersten Landungsboote fällt und die Soldaten waten durch das Wasser in Richtung Strand. Doch anstatt eines Trümmerfelds erwarten sie intakte Stellungen und Hindernisse der Deutschen.

Landung der Alliierten in der Normandie
Bildquelle: Geoepoche | D-Day: Invasion in der Normandie

Ablenkmanöver sorgen vorab für Unsicherheiten bei den Deutschen

Während die Kriesgerätschaften produziert und die Soldaten ausgebildet werden, startet zeitgleich Operation Fortitude. Diese ist das vielleicht größte Ablenkmanöver der Kriegsgeschichte. Namenhafte Offiziere reisen nach Schottland und setzen dort Funksprüche ab, die sehr leicht zu entziffern sind. Flugzeugatrappen werden zudem auf den Landebahnen hin und her geschoben. Sie wollen den Deutschen glaubhaft machen, dass sich hier im Norden Großbritanniens eine Armee bereit macht. Bei Dover inszenieren einige Soldaten ebenfalls Panzerbewegungen und Doppelagenten melden falsche Truppenbewegungen, um die Deutschen zusätzlich zu verunsichern. Mit Erfolg: Die schwache Wehrmacht muss nun auf mehreren Tausend Küstenkilometern verteilt werden, um jedes mögliche Angriffsszenario abzudecken.

Schlechtes Wetter erschwert die Operation Neptune

Die Wolkendecke ist dicht und der Wellengang hoch. Die Landungsboote sind unterwegs. Schwimmfähige Panzer sollen ebenfalls zu Wasser gelassen werden, um die erste Einheit zu unterstützen, doch aufgrund des hohen Wellengangs sinken 27 von 32 Panzern inklusive Besatzung noch bevor sie in der Nähe des Strands sind. Durch die schlechte Sicht können Bomberpiloten die Küstenlinie nicht mehr sehen und verfehlen ihr Ziel. Die Bomben landen im französischen Hinterland, während die Stellungen der Deutschen unversehrt bleiben. 

Die Männer, die nun von den Landungsbooten auf den Strand zusteuern, werden bereits im Wasser erschossen oder von ihrer schweren Ausrüstung nach unten gezogen. Sie sind ein leichtes Ziel und die Deutschen bis an die Zähne bewaffnet. 

Landung der Alliierten in der Normandie
Bildquelle: Spiegel Online | D-Day: Amerikas letzter Sieg

Die Landung der Alliierten gelingt

40.000 Soldaten sollten an diesem Tag an Land gehen. Nur circa 35.000 sind dort angekommen. Mehr als 2.000 Tote, Verwundete und Vermisste werden gemeldet. Die meisten Opfer hatte die erste Landungswelle zu beklagen. Die Amerikaner zahlen einen hohen Preis und nehmen Omaha Beach und das angrenzende Dorf Vierville-sur-Mer am Ende des "längsten Tages" ein. Zwar wurde weniger eingenommen als ursprünglich geplant, doch durch Operation Neptune ist ein entscheidender Bruch im Atlantikwall entstanden. Und dort landet bereits einen Tag nach der Invasion Verstärkung. 850.000 Soldaten kommen hier an und kämpfen in den nächsten zwei Monaten um die Normandie. Nachdem der Widerstand gebrochen ist, rücken die Truppen weiter vor in Richtung Deutschland. 137 Tage nach dem D-Day erobern die Amerikaner die erste deutsche Großstadt: Aachen. Elf Monate nach der Landung am Omaha Beach ist der Krieg vorbei. 

Eine Geschichte, die oft erzählt wurde

 

Die Ereignisse des 6. Juni 1944 wurden seither oft und in den unterschiedlichsten Varianten erzählt. In Artikeln und Büchern bis hin zu Spielfilme und Dokumentationen wurden die unterschiedlichsten Schicksale dokumentiert und aufgezeigt. 

Eine tolle Zusammenfassung der Geschehnisse hat beispielsweise der Spiegel oder die Welt dazu veröffentlicht. Bei Letzterem handelt es sich um eine Art Minutenprotokoll, das die Ereignisse des Tages dokumentiert. Nachzulesen hier. (Lesedauer: etwa 20 Minuten) Sehr empfehlenswert für alle, die noch einmal Geschichtswissen auffrischen möchten.

Die historischen Ereignisse sind zudem Grundlage für diverse Verfilmungen. Unter anderem wären hier "Der längste Tag" (1962), "Der Soldat James Ryan" (1998) oder "Band of Brothers" (2001) zu nennen, die definitiv zu den Bekanntesten gehören.

Omaha Beach & Utah Beach heute

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lohnt sich ein Besuch an den Landungsstränden. Hier lässt sich die Geschichte hautnah erleben und man steht etwas nachdenklich und mit Gänsehaut an diesem Ort. Kaum vorzustellen, was hier einmal passiert ist. Verschiedene Gedenktafeln, Museen und Statuen erinnern an den D-Day, der in die Geschichtsbücher einging. 

 

Omaha Beach hatte die meisten Todesopfer gefordert und wurde daher auch "Bloody Omaha" genannt. Ein Museum und der amerikanische Friedhof in Colleville verdeutlichen den Besuchern die Ausmaße dieser Operation. Am Utah Beach erzählt ebenfalls ein Museum chronologisch die Geschichte der Landung vor Ort. Das Highlight der Ausstellung ist ein Bomberflugzeug. 

Hinzugezogene Quelle: Geoepoche