Marrakesch - Eine Stadt mit vielen Gesichtern


Jemaa el Fna in Marrakesch

salam in marokko


Wir steigen in das Flugzeug und kurze Zeit später sind wir schon über den Wolken. Knapp vier Stunden Flug liegen vor uns und jeder Platz ist belegt. Wir haben keinen Fernseher vor uns, der uns beschäftigt und es gibt keine Snacks ohne Aufpreis.

Nach einiger Zeit fängt an zu dämmern. Wir erreichen schließlich die Küste und der Himmel verschwimmt mit dem Meer. Wir setzen zum Landeanflug an und Marrakesch empfängt uns mit einem Lichtermeer, dass man gar nicht weiß wohin man schauen soll. Die Flugzeugtür schwing auf und die warme Abendluft strömt uns entgegen. 

Nach unserer Ankunft im Hotel beschließen wir noch ein bisschen auf die Straße zu gehen. Ich ziehe meine kurze Hose und ein langes Shirt an und gehe hinaus. Ich werde böse gemustert. Alte Männer sitzen zusammen am Straßenrand und beobachten uns.Verschleierte Frauen düsen auf ihren Mopeds vorbei und ihre Augen mustern uns. Ich bin verunsichert. Auf dem Weg in den Supermarkt gegenüber kommen uns sehr viel freizügigere Touristen entgegen. An der Supermarktkasse sitzt eine junge Marokkanerin. Ohne Kopftuch und mit T-Shirt. Ich fühle mich wohler und fange allmählich an, mich in diese neue Umgebung fallen zu lassen. 

Am nächsten Tag verbringen wir den Abend am Jemaa el Fna. Schon von weitem ist der Platz gut zu sehen. Hunderte von Garküchen preisen ihre Gerichte an, Schlangebeschwörer spielen auf der Flöte und Händler breiten ihre Waren auf Decken aus. Wir gehen auf eine der Dachterrasse, um das Spektakel von Oben zu beobachten. Von dort sieht der Platz noch lebendiger und größer aus. Man könnte dem Treiben stundenlang zusehen. Der Rauch der Garküchen steigt nach oben und lockt uns an einen der Stände. Wir setzen und hin und kurze Zeit später essen wir unser erstes Couscous. Der Platz um uns herum füllt sich und richtige Menschenmassen strömen durch die engen Gassen. Einheimische setzen sich neben uns und unterhalten sich lebhaft. Der letzte Abend des Ramadan bricht an. Männer kommen zusammen und spielen Karten, Familien gehen zusammen auf die Straße. Die Frauen tragen feine Roben zur Feier des Tages. Es fühlt sich toll an, Teil dieser einzigartigen Stimmung zu sein. 

Henna Tattoo in Marrakesch

Doch nicht alles was auf den ersten Blick so wunderbar scheint ist es auch. Denn auf den zweiten Blick erkennt man doch die Armut in diesem Land. Vom Bild der idyllischen Schlangenbeschwörer keine Spur. Stattdessen springen sie schon von Weitem auf mich zu, schreien "Foto! Foto!" und halten mir die benebelte Schlange unter die Nase. Viele Kinder auf dem Platz Jemaa el Fna werden von ihren Familien zum Bettel vorgeschickt. Ich stehe beobachtend am Straßenrand und lasse das Treiben auf mich wirken. 

Plötzlich packt ein älterer Mann mit langem, weißem Bart einen kleinen Jungen am Kragen und schreit ihn an. Ich zucke entsetzt zusammen. Der Junge, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, fängt an zu weinen. Der alte Mann hat ihn immer noch fest im Griff. Ich bekomme mit, dass er den Jungen beim Stehlen erwischt hat. Er hat einer Frau den Geldbeutel aus dem Kindergarten geklaut. Er gibt reumütig das Geld zurück, doch kaum dreht der Junge sich um, setzt er wieder ein Lächeln auf und versucht es direkt bei der nächsten Handtasche wieder. 

Als wir uns auf dem Heimweg machen, läuft ein kleiner Junge neben mir her. Er schaut mich mit großen Augen an und möchte mir Etwas verkaufen. Als ich nicht darauf anspringe, ändert sich sein Gesichtsausdruck schlagartig, er dreht sich um und ruft mir "Fuck you!" hinterher. 

Ein Eindruck, der neben dem Zauber von 1001 Nacht ebenfalls bleiben wird. 

Doch das soll keineswegs heißen, dass sich eine Reise in die afrikanische Wüstenstadt nicht lohnt. Es gibt noch viele tolle Ecken, jenseits vom Trubel auf dem Jemaa el Fna. Der Jardin Majorenne beispielsweise. Der Botanische Garten wurde von Yves Saint Laurent restauriert und mit der Kombination aus Pflanzen und Farben zu Etwas ganz Besonderem. 

Ebenfalls werden viele Aktivitäten außerhalb der Stadt angeboten. Egal ob Kamelreiten oder Quad fahren. Wir haben uns für Zweites entschieden. Mit einer Gruppe ging es auf den Quads raus aus der Stadt und durch die Wüste. Der Staub wirbelt auf, als wir durch die Gassen von umliegenden Dörfern fahren. In einem der Dörfer halten wir nach einiger Zeit an und bekommen von einer sehr netten, älteren Dame in ihrem Innenhof Tee serviert. Tee in der Wüste klingt vielleicht komisch, hilft aber ungemein den Körper herunter zu kühlen. 

Quadtour durch die Wüste

An einem Morgen fahren wir mit dem Bus in Richtung Meer. Ich schaue aus dem Fenster und sehe mehrere Ziegen auf dem Baum sitzen. Ja richtig. Die Ziegen sitzen hier auf Bäumen. Sie klettern hinauf, um die leckeren Arganfrüchte zu fressen. Ein komisches Bild so mitten in der Wüste. Kurze Zeit später kommen wir an einer Arganöl-Fabrik vorbei. Hier wird uns gezeigt, wie die Frauen die Kerne knacken und anschließend zu Öl pressen. Alles wird hier noch von Hand gemacht. 

Ansonsten sollte man sich einfach in der Medina, der Altstadt von Marrakesch, treiben lassen. Hier gibt es so viele schöne Ecken zu entdecken. In den Souks gibt es alle Arten von Handwerk zu kaufen. Lampen, Teppiche, Tücher und Gewürze. Hier sollte man sich Zeit nehmen, um das Alles auf sich wirken zu lassen und auch Feilschen gehört hier auf den Märkten dazu. Verhandelt man nicht, hat der Händler das Gefühl er hat zu wenig verlangt und ist mit dem Geschäft nicht zufrieden. 

Bei unserem Spaziergang durch die Stadt haben wir ebenfalls eine Lederfabrik entdeckt. Das ist wirklich Schwerstarbeit. In großen Becken in der prallen Sonne wird das Leder gegerbt. 

Zu empfehlen ist auch ein Besuch in einer traditionellen Apotheke. Uns strömen die verschiedensten Gerüchte entgegen. Gläser mit den unterschiedlichsten Gewürzen stapeln sich hier bis an die Decke. Wir setzen uns und schon bekommen wir Medizinnachhilfe. Jedes Gewürz, jedes Kraut und jede Wurzel hilft gegen ein anderes Leiden.