Das Gängeviertel in Hamburg


Die Gängeviertel waren weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Allerdings nicht als besonders schöne Gegend, sondern als Zentrum von Kriminalität und Prostitution. Und das nicht ganz zu unrecht. Die Häuser standen eng an eng und im Schnitt lebten mehr als vier Menschen in einem Zimmer zusammen. Platz für ein gemütliches Zusammenkommen war da fast nicht. Um dennoch ein gewisses Sozialleben zu pflegen, traf man sich nach Feierabend in den Kneipen der Gängeviertel, um zusammen zu trinken und über Politik zu sprechen. Im Laufe der Zeit entstanden neben den Rotlichtkneipen und Bars auch größere Veranstaltungsflächen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Tütge's Etablissement war beispielsweise das erste private Theater Hamburgs und zählt bis heute als Vorläufer des bekannten Thalia Theaters.  

Im sogenannten Bäckerbreitergang reiht sich ein Fachwerkhaus an das nächste. Die Häuser wurden Anfang des 19. Jahrhunderts (das Haus Nr 49/50 sogar um 1780) erbaut und sind die letzten Überbleibsel des einst so dicht besiedelten Viertels der gesellschaftlichen Unterschicht. 

Im Großteil des Gängeviertels befinden sich heute allerdings Baustile aus den verschiedensten Epochen. "Von Arbeiterwohnungen in der Schier's Passage bis zu bürgerlichen Gebäuden aus der Gründerzeit an der Caffamacherreihe."

Bei einem Spaziergang durch das Labyrinth aus kleinen Gängen und Höfen lässt sich auch heute noch erahnen, wie das Viertel damals ausgesehen haben muss. 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelten sich hier verschiedene Subkulturen. Von Aussteigern, über diverse Musik- und Jazzkeller bis hin zu einer ausgeprägten Schwulenszene fand hier jeder seinen Platz. Eine richtige Institution zu dieser Zeit war das Madhouse. Der Szenetreff der Rockliebhaber hielt sich über 30 Jahre am Valentinskamp und hatte berühmte Gäste wie Mick Jagger oder David Bowie zu Gast. 

"Die Entmietung in den 1990er führte dann dazu, dass auf dem gesamten Areal bis zur Besetzung 2009 lediglich fünf Altmieterparteiern übrig blieben. Die restlichen Wohnungen standen teilweise 15-20 Jahre leer." Vor knapp zehn Jahren ging das Viertel dann an den Höchstbietenden: den Investor Hanzevast. Der wollte das Viertel abreißen und an dieser Stelle neu bauen. Die anschließende Finanzkrise und aufkommender Protest standen diesem Projekt allerdings entgegen. Viele Organisationen schlossen sich daraufhin zusammen, um für ihre politischen Überzeugungen einzustehen. Durch die erfolgreiche Besetzung wurde die Modernisierung schließlich verhindert und das Viertel von der Stadt nach einigen Verhandlungen zurück gekauft. 

 

Bis heute hat das Viertel von seinem alternativen Charme nichts eingebüßt. Von Hausbesetzern, über Technoclubs bis hin zu einem Ort für künstlerische Freiheit. Viele der Erdgeschossräume sind öffentlich zugänglich und Cafés, Galerien und kleine Läden heißen die Besucher willkommen. Die Fabrique ist das Herzstück des Gängeviertels. Hier findet sich der größte Veranstaltungsraum, ein Radiosender, eine Theaterbühne und vieles mehr. Das alles ist durch ehrenamtliche Arbeit möglich. 

Die in diesem Artikel verwendeten Zitate stammen von der Webseite, auf der ihr noch ausführlichere Informationen zum Stadtviertel findet und sogar einen virtuellen Rundgang unternehmen könnt.

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