Warum man nicht kündigen muss, um völlig frei zu sein


Die Instagram Blase in der wir leben zeigt uns täglich Bilder einer perfekten Welt. Einer Welt in der alle glücklich sind und sorgenfrei durch diese Welt reisen. Nie arbeiten und eigentlich ständig nur Freizeit haben. Ein beneidenswertes Leben, das man sich oft anschaut, während man selbst hinter dem Schreibtisch sitzt. Oft liest man, dass der Job gekündigt wird um wirklich frei zu sein, um Abstand zu bekommen und sich selbst zu finden. Doch vielmehr sollten wir uns dem eigentlichen Problem zuwenden, als davor wegzulaufen.

Ich habe meinen Job gekündigt und bin nach Italien gezogen. Zwar nicht aus dem Motiv heraus völlig frei sein zu wollen oder mich selbst zu finden, vielmehr um ein weiteres Kapitel aufzuschlagen, eine neue Sprache zu lernen und ein anderes Land ganz intensiv kennenzulernen.

Ich bin nicht ohne Plan nach Italien gezogen. Ich habe einen Job, eine Unterkunft und meist einen geregelten Tagesablauf. Von Vielen bekam ich dafür großen Zuspruch, einfach diesen Schritt zu wagen, alles Bekannte hinter sich zu lassen und noch einmal von Vorne anzufangen.

Doch auch wenn man ein neues Leben in einem neuen Land anfängt, ändert das Nichts an der persönlichen Einstellung und was man selbst daraus macht. Bin ich nicht glücklich mit meinem Leben oder mir selbst, werde ich das auch nicht in einem anderen Land. Und auf keinen Fall ist nur der Job der Grund für die innere Unzufriedenheit.

Es ist eine Möglichkeit nochmal von Vorne anzufangen. In einem geregelten Alltag gerät man schnell in einen Sog. Pendelt quasi nur noch zwischen der Wohnung, der Arbeit und der Stammkneipe. Die wenige Freizeit teilt man dann irgendwie zwischen dem Partner, Freunden und Familie auf. Den Job zu kündigen gibt einem kurz das Gefühl von unglaublicher Freiheit und dem Neuanfang. Alles scheint möglich und die Lebensqualität soviel besser. Ich kann machen was ich will und sein wer ich will. Doch der Schein kann auch trügen.

Die Bloggerin postet ein wunderschönes Bild von den verschiedensten Orten. Aber ist sie dabei glücklich? Von einem Luxusresort ins Nächste. Aber kann sie sich das Alles so ohne Weiteres leisten? Von der Luftmatratze rein in die Hängematte. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Er läuft auf einen Berg mit atemberaubender Aussicht. Doch macht er das für sich selbst und genießt den Aufstieg oder geht es hier eigentlich nur um das perfekte Foto?

Freiheit definiert wahrscheinlich jeder anders. Für mich bedeutet es das Privileg zu haben, die Welt zu entdecken. Ohne Grenzen, die mich einschränken. Ohne Gesetze, die es mir verbieten. Ohne Reisepass, der mir die Einreise verwährt. Einfach machen zu können was ich möchte. Die Ausbildung machen, die ich gerne hätte, mir selbst aussuchen zu können wo und mit wem ich einmal leben möchte. Auch zähle ich zu meiner Freiheit, dass ich mir all dies durch meine Arbeit ermöglichen kann. Ohne mich zu verschulden, ohne mir Geld zu leihen oder auf irgendjemanden angewiesen zu sein. Wenn man bedenkt wie viele Menschen einfach nicht die Möglichkeit haben aus den verschiedensten Gründen zu reisen, zu lernen oder zu machen was sie möchten, sollte das eigentlich Freiheit genug für mich sein.

Doch unsere Gesellschaft ist verwöhnt. Wir haben den Blick für das Wesentliche verloren und lassen uns unser Glück von Luxusproblemen und Neid verderben. Der arbeitet viel weniger als ich. Der verdient viel mehr als ich. Der reist viel mehr als ich. Der hat es generell viel besser als ich. Wir vergleichen uns oft mit Personen, ohne wirklich über die Hintergründe Bescheid zu wissen. Denn oft hat jeder sein Päckchen zu tragen und was nach Außen so toll scheint, hat oft auch eine zweite Seite. Wir sollten uns weniger mit anderen vergleichen und uns mehr mit uns selbst beschäftigen.

Würde das Leben wirklich zu mir selbst passen, auf das ich gerade so neidisch bin? Einfach immer nur Urlaub und Nichts tun? Das Leben einfach genießen, kann man auch anders. Ich habe für mich gelernt, dass einfach kündigen und Nichts tun, nicht das Richtige für mich wäre. Ich brauche einen geregelten Tagesablauf und neue Herausforderungen, denn sonst fange ich schnell an mich zu langweilen. Man sollte bei all dem nie vergessen, wie viele Menschen uns um das beneiden, was für uns oft selbstverständlich ist. Wir beneiden einen Arbeitskollegen, weil er zwei Tage mehr Jahresurlaub hat, während ein anderer uns um fließend Wasser beneidet. Wir beneiden Freunde, die schon wieder im Urlaub sind, während Andere uns darum beneiden, dass wir Strom haben.

 

Freiheit ist, die schönsten Momente mit besonderen Menschen zu teilen. Freiheit ist meine eigenen Ziele zu erreichen und Träume zu erfüllen. Unabhänig davon, welche Definition Soziale Netze oder das Internet für vollkommenes Glück oder Freiheit gerade haben.

 

Wenn ich dich jetzt fragen würde - Was wäre deine Definition von Glück und Freiheit?

Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Sonntag, 09 September 2018 14:11)

    ��