Die Welt der San


Wir stapfen durch den afrikanischen Busch. Die Sonne brennt vom Himmel und meine Haut klebt. Ein paar einfache Hütten tauchen auf. Im Schatten unter den Bäumen sitzen ein paar Frauen. Kinder rennen über den kleinen Platz in der Mitte. Bereits nach ein paar Minuten fühlt man sich in die Vergangenheit zurück versetzt. In eine Zeit, wo es noch keinen Strom, Handys oder geschweige denn das Internet gab. 

Die San, auch Buschmänner genannt, gelten als die Ureinwohner Namibias. Der Stamm, den wir besuchen, ist einer der wenigen, der noch gemäß der Tradition als Jäger und Sammler zusammenleben. Etwa 30 Männer, Frauen und Kinder leben in diesem kleinen Dorf. Jeder hier hat seinen Platz in der Gesellschaft. Es gibt beispielsweise einen Stammesführer und einen Medizinmann. Ein weiterer junger Mann wurde in die Stadt geschickt, um Englisch zu lernen. Nachdem er nun wieder zurück gekehrt ist, soll er helfen den Touristen die Kultur und das Wissen der San zu vermitteln. 

 

Alltag bei den San


Wir bekommen einen Einblick in das Leben und den Alltag dieses Volkes: Die Männer sind Jäger. Auch wenn sie mittlerweile nicht mehr jeden Tag auf die Jagd gehen, so gehört doch das Bauen von Waffen und das Spurenlesen zu ihrem Alltag. Sie führen uns vor, wie man sich leise durch den Busch bewegt und wie sie aus einfachsten Mitteln Seile  und Sehnen spinnen und wie ein Bogen gebaut wird. Wir bekommen Tipps zum Feuer machen und die Wirkung von heilenden Pflanzen wird erklärt. Mit Gesängen und Tänzen werden wir in die Kultur und Heilzeremonien der legendären Buschmänner eingeführt. 

Arbeitsteilung gilt bei den San vor allem nach Alter und Geschlecht. Während die Männer für das Jagen und Herstellen von Gerätschaften zuständig sind, sammeln Frauen Feuerholz, bauen Hütten und sind für das Kochen und die Kindererziehung zuständig. Filigrane Arbeiten wie das Herstellen von Schmuck aus Straußeneierschalen übernehmen sie ebenfalls. 

Gerade als Frau in der heutigen Zeit so zu leben, ist für mich fast unvorstellbar. Ich denke dabei an die Körperhygiene oder was sie tun, wenn sie ihre Periode haben. Auch stelle ich mir vor, was es bedeuten muss, ein Kind hier mitten in der Wüste ohne medizinische Hilfe auf die Welt zu bringen. Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich es sehr bewundernswert finde, mit einfachsten Mitteln auch in der heutigen Zeit noch auszukommen und zu überleben, oder ob ich es leichtsinnig finde. Immerhin sind viele Neuerungen auch sehr wichtig und erleichtern das Leben, wie beispielsweise Medizin oder eine ausgewogene Ernährung. 

Durch die Zuwanderung über Jahrzehnte hinweg wurde das Gebiet der San immer weiter eingeschränkt. Heute leben die Buschmänner meist in Naturschutzgebieten, die dafür geschaffen wurden, die Kultur der San irgendwie zu erhalten. Touristen können die San dort besuchen. Anfangs hatte ich Zweifel. Hatte Angst dort hinzugehen und die Menschen wie im Zoo zu bestaunen. Doch das Gegenteil war der Fall. Die San sind sehr herzlich und offen und freuen sich über jeden Besuch. Stolz erzählen sie von ihren Traditionen, dem Jagen, dem Fährtenlesen und ihrer Heilmedizin. Sie blühen regelrecht auf, wenn sie Fremden von ihrer Welt erzählen können. Es ist ein Versuch, die Traditionen der San zu bewahren und weiterzugeben, bevor diese einzigartige Kultur verschwindet. 

Schöne neue Welt


Doch auch an den San scheint die neue Welt nicht komplett vorüber zu ziehen. Manchmal frage ich mich sogar, ob sie sich nicht köstlich darüber amüsieren, was sie uns hier vorspielen und ob sie wohl später, wenn wir weg sind, ihre Handys und Tablets zücken. 

Die Buschmänner versuchen sich durch die Einblicke in ihre Kultur Etwas dazu zu verdienen. Außerdem verkaufen sie selbstgemachten Schmuck aus Eierschalen oder selbstgebaute Pfeile, Bögen oder Instrumente in ihren Dörfern. 

Ein Tag war leider zu kurz, um noch mehr Einblicke in das Leben der San zu bekommen. Mich hätte beispielsweise sehr interessiert, was sie sich von dem verdienten Geld kaufen?

Ich hoffe, dass die medizinische Aufklärung und Bildung auch bereits bis in den Busch vorgedrungen ist und sie wissen, dass es einfach Mittel gegen kleinere Krankheiten gibt, oder dass eine ausgewogene Ernährung gut für die Entwicklung und das Wachstum ihrer Babys ist.