Als Vanlifer durch Europa


Ein Gastbeitrag von Alina und Timo, Sprintour.de

Wir reisen mit unserem selbst ausgebauten Sprinter Van durch Europa. Wie wir dazu kamen Vanlifer zu werden und was wir bisher erlebt haben, erfährst du im folgenden Gastbeitrag.

Timo und Alina in ihrem Campervan

Bereits sehr früh war für uns klar, dass wir uns nicht für immer im beruflichen Alltag verlieren wollen. Bevor zu viele Verpflichtungen auf uns zukommen, wollten wir unbedingt die Welt sehen. Die Lebensweise der Vanlifer hat uns schon seit langem sehr fasziniert. So fassten wir den Entschluss unsere Jobs zu kündigen, alles was wir besitzen zu verkaufen und eine Reise zu starten, nach der wir uns so lange gesehnt haben. Die kurzen Urlaube im Jahr waren uns nicht genug. Wir sehnten uns nach noch mehr Abenteuern und wollten endlich die Welt sehen.

 

So entschieden wir uns bewusst fürs Vanlife, denn Camping war schon immer unser Ding. Den passenden Camper für diese Unternehmung haben wir selbst ausgebaut. Im Herbst 2019 starteten wir mit unserem Sprinter Van eine Reise durch ganz Europa. 

Umgebauter Campervan von Sprintour

Endlich gehörten wir auch zu den Vanlifern und unser neues Leben hatte uns voll im Griff. Plötzlich hatten wir Zeit und konnten uns den ganzen Tag dem Reisen widmen. So verbrachten wir die erste Zeit in der Nähe von Paris in Fontainebleau mit Bouldern. Es war ein noch nie da gewesenes Gefühl – endlich genug Zeit für die Dinge zu haben, die man gerne macht. 

 

Weiter ging es für uns nach Spanien. Das Land in dem nichts ein Problem ist. Um Geld auf der Reise zu sparen, übernachten wir immer wild. In Spanien hatten wir als Wild-Camper nie ein Problem. 

Vor allem im Norden von Spanien sind die Strände leer und wunderschön. Im Herbst hatten wir auch dort schönes Wetter und standen meist alleine mit unserem Van am Strand. Ein paar Vanlifer hat man auch immer wieder getroffen. Viele hatten den Plan im Süden von Europa zu überwintern. So wurde uns schnell klar, das wir nicht die einzigen mit dieser Idee sind.

Van auf Klippe am Meer

Ein klares Highlight in Spanien waren für uns die Picos de Europa. Das Faltengebirge hat knapp 200 Gipfel über 2000 Meter und beeindruckt mit dem gleichnamigen Nationalpark. Jeden Tag aufs Neue mit einem Blick auf das Kalkstein Massiv aufzuwachen, hat uns einfach den Atem geraubt.

Auf unserer Reise durch Europa wollten wir nicht nur am Strand unsere Zeit verbringen, sondern auch Land und Leute in einsameren Gegenden im Landesinneren kennenlernen. So führte uns unser Weg durch verlassene Dörfer in Portugals Berglandschaften. Wir bestaunten ein Loch im See und die im Fels errichteten Häuser in Monsanto.

Das Jahr neigte sich dem Ende zu und die Nächte wurden immer kälter. Zum Glück haben wir unseren Camper gut isoliert und eine Heizung eingebaut. Trotzdem fühlten wir den ganzen Tag die Kälte und sehnten uns nach ein paar Sonnenstrahlen. 

Wir beschlossen nach Marokko zu fahren und dort Sonne zu tanken. Diese Station stand nicht auf unserem Plan und wir mussten dafür mehrere Wochen in Sevilla auf ein Päckchen mit der grünen Versicherungskarte warten. Zu unserem Pech hatten wir dort nur Regen. Zum Glück lernt man als Vanlifer schnell Gleichgesinnte kennen und es entstanden in dieser Zeit gute Freundschaften.

Letztendlich hat es sich gelohnt nach Marokko rüber zu setzen. Wir waren noch nie auf dem afrikanischen Kontinent und waren deshalb sehr aufgeregt als wir mit unserem Camper auf die Fähre gefahren sind. Marokko ist ein wunderschönes Land mit atemberaubenden weiten Landschaften und sehr netten Menschen. Wer kann schon von sich behaupten mit dem Camper in der Wüste bei wunderschönem Vollmond übernachtet zu haben?

Van in der Wüste

Nach Marokko ging unsere Route in Spanien am Mittelmeer weiter. Das Wetter war zwar meistens gut, doch es wurde immer kälter.

In Spanien und Frankreich bekamen wir Besuch aus Deutschland und freuten uns wahnsinnig über bekannte Gesichter, gute Unterhaltungen und tolle Mitbringsel. Das war tatsächlich die letzte Station auf der wir viel Kontakt mit anderen Vanlifern hatten. Wir trafen immer weniger Camper auf unserem Weg. Nachts war es bitter kalt und Regen sowie Schnee gab es auch in vollen Mengen. 

Das ist genau die Zeit, die dir mit voller Härte zeigt, dass das Leben im Camper manchmal nicht so einfach ist. Wir haben versucht uns von dem Winter nicht zu sehr beeinflussen zu lassen und nutzen jede Möglichkeit uns draußen zu bewegen. 

Van auf schneebedeckter Straße

So fuhren wir über die Berge nach Italien und ließen die Städte Turin und Mailand sowie den Gardasee auf uns wirken. Lange blieben wir nicht, denn die Vorfreude auf die Balkanstaaten war einfach zu groß. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Die Landschaften um den türkis farbigen Fluss Soca im Norden von Slowenien erinnern an die einsame Wildnis in Kanada. Wildes Übernachten in Slowenien war zwar ein Abenteuer, da es dort nicht erlaubt ist und sogar streng kontrolliert wird. Aber uns blieb nichts anderes übrig, da alle Campingplätze zu der Jahreszeit zu hatten. Dieses Land bleibt uns sehr lange in Erinnerung. Es war eins der saubersten Länder in dem wir jemals waren. 

Campervan auf Waldstraße vor Bergpanorama

Nach Slowenien folgten die Länder Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien. Auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Von einsamen Felsküsten in Kroatien, schneebedeckten Landschaften in Bosnien und Herzegowina, wunderschönen Seenlandschaften mit dunkelgrünen Tannenwäldern und unvergesslichen Sonnenuntergängen in Montenegro bis zur endlosen Gastfreundschaft und der wunderschönen Küste Albaniens war alles dabei. Zu recht haben wir uns so sehr auf diesen so wenig touristisch erschlossenen Teil Europas gefreut. 

Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir auf unserer Reise zwölf wunderschöne Länder bereist.

Panoramaaufnahme mit Campervan

Angekommen in Griechenland ging es für uns leider nicht weiter. Covid-19 kam dazwischen und es wurde eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Viele Länder in Europa haben ihre Grenzen zu gemacht und das öffentliche Leben wurde im Land durch Auflagen still gelegt. Auf einmal war eine Weiterreise nicht mehr möglich. Alle Pläne waren dahin und wir steckten plötzlich in einem Land fest. Das war für alle eine noch nie dagewesene Situation. Viele Vanlifer mussten durch das Corona-Virus ihre Reise abbrechen und manche wurden durch das Auswärtige Amt sogar nach Hause geholt. Und wir? Auf dem Landweg kommt man momentan nicht nach Deutschland. Wir sind immer noch in Griechenland und verbringen die Ausgangssperre an einem einsamen und wunderschönen Ort, an dem wir auch diesen Bericht schreiben. Unsere Reise wie gewohnt fortzusetzen, oder in andere Länder zu fahren ist auf absehbare Zeit undenkbar. 

 

Allerdings sind wir dankbar dafür bislang so viel gesehen zu haben und jeden weiteren Tag in unserem Camper aufzuwachen. Wir haben jetzt viel Zeit und hier geht es uns gut. Das Reisen ist so sehr zu unserem Lebensinhalt geworden, dass wir völlig vergessen haben, was es bedeutet ein wenig inne zu halten und zu reflektieren. Wir sehen es als Chance, endlich mal zu entschleunigen.

 

Auf bald!

Die Vanlifer Timo und Alina 


Ein Gasbeitrag von Sprintour.de.

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