Eine neue Sprache lernen


Dieser Punkt steht wohl bei Jedem auf der Bucket Liste, der mit den verhassten Französisch Stunden in der Schule Frieden geschlossen hat, und sich nun an neue Projekte wagen möchte.

Wie schön wäre es, im Urlaub in der Landessprache zu bestellen, oder den Einheimischen in der U-Bahn zu lauschen.

Das wäre natürlich leichter gesagt als getan, wenn man sich nicht noch an das endlose Vokabeln abschreiben und die nie endenen Grammatik Lektionen aus der Schule erinnert. Wie soll man regelmässig den Fleiß dazu aufbringen, sich noch nach der Arbeit motiviert hin zu setzen, wenn es draußen womöglich schon wieder dunkel ist und der Kopf noch von dem letzten Meeting brummt? Wo soll man überhaupt anfangen und wie lernt man selbst am Besten?

Bücherstapel Sprache lernen

Ich hatte es da ein bisschen einfacher. Was heißt einfacher, ich wurde in das kalte Wasser geworfen, als ich ohne Vorkenntnisse beschlossen habe, nach Italien zu ziehen. Das Land hatte schon immer einen ganz besonderen Reiz für mich und ich kann mich eigentlich an keinen Familienurlaub erinnern, der nicht nach Bella Italia ging.

Anfangs muss ich zugeben, habe ich mir nicht wirklich Gedanken um die Sprache gemacht. Ich dachte so ein paar Bruchteile sind aus dem ein oder anderen Urlaub bestimmt hängen geblieben und grob wird man mich schon verstehen. Die Realität hat mich natürlich gleich in den ersten Tagen auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Man sitzt angestrengt und doch teilnamslos mit am Esstisch, während alle schnell, viel zu schnell, miteinander reden. Erst wenn alle die Blicke in meine Richtung schweifen lassen, muss wohl irgendwie die Sprache auf mich gekommen sein oder womöglich wurde ich sogar etwas gefragt. Am Anfang lächle ich dann einfach nur. Doch schon bald nervt es mich. Es ist schwierig den Anschluss in einer neuen Familie zu finden, oder sogar eine Beziehung aufzubauen, wenn man sich nicht richtig verständigen kann. Und obwohl meine Gastmutter eigentlich Deutsch sprechen kann, zieht sie es vor mich ununterbrochen auf italienisch zuzuplappern.

Ich beginne damit, mir die wichtigsten Fragen und Antworten aufschreiben zu lassen, die ich so in meinem Alltag brauche. 'Das habe ich leider nicht verstanden'. 'Hast du Hunger?'. 'Hast du deine Hausaufgaben gemacht?'. Diese Sätze lerne ich auswendig, um irgendwo anzufangen.

Als ich an einem Tisch nur mit Italienern sitze und meine Nudeln brav auf italienisch bestellt habe, frägt mich die Bedienung direkt auf Deutsch, ob ich einen Löffel haben möchte. Nein verdammt, ich möchte keinen Löffel haben. Ich bin doch jetzt Italienerin und esse wie alle anderen meine Spaghetti nur mit der Gabel! Woher weiß die überhaupt woher ich komme, nachdem ich doch so wunderbar auf italienisch bestellt habe!? Mir wird schnell klar, dass es noch viel zu lernen gibt...

Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen. Ich sitze hier in der italienischen Sonne, trinke einen Cappuccino und unterhalte mich fleissig und ohne groß zu überlegen mit dem Barbesitzer. Dass das irgendwann möglich ist, habe ich nach den ersten Tagen hier bereits bezweifelt. Immer wenn ich dachte, ich habe Fortschritte gemacht, habe ich im nächsten Gespräch wieder überhaupt nicht verstanden, um was es überhaupt geht. Dazu kommt noch, dass ich sehr selbstkritisch bin und Geduld wahrscheinlich nicht zu meinen Stärken gehört. Ich möchte Italienisch sprechen und am Besten sofort und fließend.

Ganz so schnell ging es nicht, doch ich muss zugeben, dass bereits nach diesen paar Monaten alles möglich ist. Ich kann alles verstehen und wenn ich bestimmte Wörter nicht kenne, mir diese aus dem Zusammenhang erschließen. Ich kann mich angeregt mit Leuten unterhalten und verstehe nun sogar die Antworten, die ich auf meine Fragen zurück bekomme.

Ohne Fleiß, kein Preis - Anfangs habe ich natürlich fleißig Vokabeln gelernt und mir ganze Sätze eingeprägt, dich ich oft gebrauchen konnte.

Was ich allerdings so gut wie gar nicht lernen musste, war die Grammatik. Ich habe einen Satz gelernt und mir daraus andere Sätze zurecht gelegt. "Kannst du mir bitte das Wasser geben?", war einer dieser Sätze. Schnell kann man nach dem Brot, dem Salz, dem Öl usw. am anderen Tischende fragen.

Ähnlich ging es mir mit den Zeiten. Einmal wurde mir die Vergangenheitsform erklärt und wie die Verbform dazu aussieht. Nach dem gleichen Muster funktioniert es auch mit anderen Verben. Bei den Unregelmässigen oder Präpositionen mache ich bestimmt oft Fehler und bin mir bis heute oft unsicher, aber man versteht mich auf jeden Fall.

Ich bin überrascht, wie viel man durch Zuhören lernen kann und wie viel dann einfach aus Intuition geschieht. Ich denke nicht darüber nach, ob der Satz so richtig ist, sondern spreche einfach.

 

Ich hoffe, dass auch nach meiner Zeit in Italien, mir meine neuen Sprachkenntnisse erhalten bleiben. Ich habe Angst davor, wenn ich die Sprache nicht jeden Tag spreche, genauso schnell vergesse, wie ich es jetzt gelernt habe. Ich werde demnach fleißig lesen, telefonieren und schreiben. Ich bin froh darüber, dass dieser Punkt von meiner Liste jetzt abgehakt werden kann. Man lernt ein Land und seine Menschen viel besser und intensiver kennen, wenn man sich in der Landessprache unterhalten kann. Ich hoffe, dass ich mich auf diesen Loorbeeren jetzt aber nicht ausruhe, sondern vielleicht daran anknüpfen kann. Mir wurde beispielsweise schon erzählt dass sich Spanisch und Italienisch sehr ähnlich sind. Erstmal gibt es aber eine kleine Pause, damit ich vor lauter Vokabeln und Sprachen nicht durcheinander komme, Eins nach dem Anderen.